SINFONIEKANTATE "LOBGESANG" op. 52

 

Zum Jubiläum des 50sten Geburtstages des Frauenchors Einsiedeln, des 70sten des Männerchors Pfäffikon am Etzel und des 5ten des Sinfonieorchesters Ausserschwyz würdigen die drei beteiligten Ensembles in einem überregionalen Konzert-Projekt den 200. Geburtstag des grossen, jung verstorbenen deutschen Komponisten Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847). Seine 2. Sinfonie in B-Dur - mit der Opuszahl 52 und dem Untertitel „Lobgesang“ - ist eigentlich eine Sinfonie mit Kantate für Soli, Chor und Orchester. Sie entstand 1839/40 als vorletzte seiner fünf „grossen“ Sinfonien. Da die früher entstandene „Italienische“ und die „Reformationssinfonie“ erst später veröffentlicht wurden, erhielt „Lobgesang“ die niedrigere Nummerierung.

 

Den Auftrag zur Komposition erhielt Mendelssohn wohl 1839 vom Rat der Stadt Leipzig. Das Werk wurde anlässlich der Feiern zum 400. Jubiläum der Erfindung der Buchdruckerkunst durch Johannes Gutenberg am 25. Juni 1840 in der Leipziger Thomaskirche unter der Leitung des Komponisten uraufgeführt, wie damals üblich mit 500 Sängerinnen und Sängern! Eine noch leicht erweiterte Fassung erklang erstmals am 3. Dezember 1840 in Leipzig. Das Werk ist musikhistorisch äusserst wichtig, war doch damit Mendelssohn der erste Komponist seit Beethoven und dessen 1824 komponierter 9. Sinfonie („Ode an die Freude“), der sich an ein grosses Werk für Orchester und Chor (und Solisten) wagte.

Die „Lobgesang“-Sinfonie gliedert sich - ähnlich wie Beethovens 9. Sinfonie - in zwei Teile: einen ersten, sinfonischen Teil, der aus drei rein instrumentalen Sätzen besteht, und einen zweiten Kantaten- Teil, der aus den Nummern 2 bis 10 des Werks besteht. Den Text des Werks montierte der Komponist aus Bibelzitaten sowie dem evangelischen Kirchenlied Nun danket alle Gott! von Martin Rinckart. Mendelssohn folgt damit der Oratorientradition des 18. Jahrhunderts.

 

Das wichtigste poetische Bild des „Lobgesanges“ ist die Entwicklung von der Finsternis zum Licht, insbesondere der zentrale Moment der Erleuchtung zwischen den Nummern 6 und 7: Der Tenor singt - im traurigen c-Moll - von der Furcht vor Finsternis und Tod. Dann folgt der Schrei in die Finsternis „Ist die Nacht bald hin?“mit wilden Tremolos und hervortretenden verminderten Septakkorden. Schliesslich verkündet das Sopransolo in leuchtendem D-Dur das Ende der Nacht, und es folgt in dieser strahlenden Tonart ein mächtiger Chorsatz. Mendelssohns Komponisten-Kollege Robert Schumann schrieb darüber: „So hat denn die grosse Erfindung des Lichts, deren Feier wir begingen, auch ein Werk des Lichts hervorgerufen, für das wir alle seinem Schöpfer unsern neuen Dank aussprechen müssen; so lasst uns, wie der Künstler die Worte so herrlich componirt, immermehr’ ablegen die Werke der Finsterniß und anlegen die Waffen des Lichts!“ In mehreren Abschnitten wird die Ausbreitung der biblischen Offenbarung, der Botschaft von Gottes Güte durch die Verkündigung des Wortes Gottes an alle Gläubigen, dadurch dargestellt, dass eine Aussage zunächst von einem Solisten vorgetragen und darauf vom Chor aufgenommen, wiederholt und erweitert wird - innerhalb eines Satzes wie in Nummer 2, oder zwischen den Sätzen in den als Paar angelegten Nummern 3 und 4. In Nummer 5 „Ich harrete des Herrn“ (das Schumann mit einem „Blick in einen Himmel Raphael’scher Madonnenaugen“ verglich...) und zwischen 6 und 7 entsteht die Wirkung zum einen durch die Aufhellung (Moll-Dur) des Klanges, zum andern durch die unmittelbare Anschaulichkeit der sich ausbreitenden Offenbarung der biblischen Botschaft.


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